Ich helfe einer Taube

Eigentlich wollte ich in den nächsten Tagen nach Berlin fahren und mir esoterische Bücher kaufen. Plötzlich überkam mich ein unruhiges Gefühl und ich hatte es eilig, nach Berlin zu kommen. Also beeilte ich mich und fuhr mit der nächsten Regionalbahn los. Beim Aussteigen aus der Bahn wurde ich von irgendetwas in eine Buchhandlung geschickt, in die ich nicht gehen wollte, weil diese Buchhandlung nur Romane im Program hat. Nach inneren Protesten meinerseits ging ich trotzdem kurz dorthin und stellte natürlich fest, daß ich an keinem Buch dort interessiert war.


Ich hatte mich in eine Buchhandlung verirrt. Endlich bin
ich wieder draußen, aber wo sind die anderen?

Ich wollte schon rausgehen, da flatterte plötzlich eine Stadttaube am Fenster zwischen den Buchregalen herum. Im Geschäft waren viele Kunden, die alle ganz aufgeregt waren: „die arme Taube” und „kann die Taube keiner rausbringen – die arme Taube kommt nicht mehr raus”. Dabei wurde mir klar, dass ich hierher kommen sollte, um dieser Taube zu helfen.

Zuerst sagte ich mental zu den anderen Leuten in der Buchhandlung: „Ihr macht die Taube nur verrückt. So kommt sie auf keinen Fall mehr raus in die Fußgängerzohne zu ihren Kumpels. Am besten ist, wenn ihr alle rausgeht.” Tatsächlich war ich bald die einzige Kundin im Buchladen. Dann redete ich mit der Taube und sagte ich mental: „Beruhige dich erst einmal und bleib einfach sitzen.” Die Taube blieb auf dem Boden sitzen und flatterte nicht mehr herum. Dann sagte ich ihr: „Ich möchte dir hier raushelfen. Gehe einfach langsam von mir weg.” Ich streckte meine Arme aus und ging langsam in Richtung zum Ausgang. Der Filialleiter schloß ein Schaufenster auf und öffnete es. Dadurch war die ganze Front bis zum Boden offen. Die Taube lief einfach ruhig von mir weg. So konnte ich die Taube dann langsam durch das offene Schaufenster treiben. Die Taube bedankte sich bei mir und freute sich nun endlich ihre Kumpels wiedergefunden zu haben.


Jetzt bin ich wieder bei meinen Freunden

Ich bedankte mich dann auch bei dem Filialleiter, weil er die Scheibe öffnete. Sonst hätte ich die Taube wieder weiter in die Buchhandlung lotsen müssen, damit sie um die Eingangstür, die nach innen offen stand, herumgegangen wäre. Dies hätte sicher noch einige Zeit gedauert und für das Tier viel Aufregung verursacht. Der Filialleiter stand fassungslos vor dem Schaufenster, schloß es wieder und meinte: „die Taube war schon den ganzen Tag hier in der Buchhandlung und niemand hat sie rausscheuchen können.”

Das war auch für mich so ein tolles überraschendes Erlebnis, dass ich ihm nicht mal erklären konnte, wie ich es geschafft hatte, daß die Taube nun nach ein paar Stunden endlich glücklich und zufrieden draußen in der Fußgängerzone bei den anderen Tauben sein konnte. Ich ging dann in eine andere Buchhandlung vor Ort und fand dort auch genug Lesestoff für mich.

 

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